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Umgang mit Konflikten

Der Umgang mit Spannungen bei mir selbst und in der Familie

"All unser Tun richtet sich darauf, keinen Schmerz zu erdulden und keine Angst empfinden zu müssen."

(Epikur, griech. Philosoph, gest. 271 v. Chr.)

Menschliche Grundbedürfnisse

Hunger, Durst, Sexualität. Bedürfnis nach Geborgenheit, Hautkontakt, Sicherheit, Schutz, Spannungsfreiheit, Angstfreiheit, Selbständigkeit, Verfügbarkeit über andere, Wertschätzung, Zugehörigkeit, Schmerzfreiheit.
Wenn diese, nach Alter und Situation verschiedenen, Bedürfnisse nicht angemessen erfüllbar sind, entsteht seelische Spannung als Schock, Schreck, Hilflosigkeit, Angst, Wut, Verzweiflung, Enttäuschung und Panik. Je jünger ein Mensch ist, desto weniger ist seine Seele in der Lage, diese Spannungen zu bewältigen.

Ausdrucksformen nicht bewältigter innerseelischer Spannungen sind u.a. Störungen des Erlebens (wie Angstzustände, Depressionen, Schuldgefühle, Wertlosigkeitsgefühle) des Verhaltens (wie Aggressivität, Gehemmtheit, Arbeits- und Konzentrationsstörungen, Suchtkrankheiten), Funktionelle Störungen (wie Essstörungen, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzneurosen, Stottern, Bettnässen u.v.a.), Psychosomatische Erkrankungen (wie Magengeschwür, entzündliche Darmerkrankungen (Colitis), Asthma bronchiale, Ekzem, Migräne). "Gebrochenes Herz" – Einsamkeit.

Zeiten besonders hoher seelischer Verletzlichkeit im menschlichen Leben

Vorgeburtliche Zeit, Geburt, das ganze erste Lebensjahr, das erste Selbständigwerden ("Trotzalter", Sauberkeitserziehung), 4./5. Lebensjahr (Ödipale Phase: Wahrnehmung der eigenen Geschlechtlichkeit), dann später die Pubertät.

Belastende Krisensituationen: Geschwistergeburt, Schuleintritt, Schulwechsel, Trennung der Eltern, Krankenhausaufenthalte, Tod eines nahen Angehörigen, Wechsel des Wohnorts, Arbeitslosigkeit, längerdauernde Stresssituationen u. a.

Grundformen der Angst

Die erste und tiefste Angst des Kleinkindes ist die Angst vor Trennung und vor dem Verlassenwerden, weil das Leben des Säuglings ja von anderen Menschen abhängt. Dazu kommt später die Angst vor Liebesverlust, die Angst vor Strafe, die Gewissensangst und die Angst vor Verletzung des Kerns der eigenen Persönlichkeit (Kastrationsangst).

Situationen, in denen sich in Familien Spannungen häufen

Beim Erziehen von Kindern (speziell bei Mahlzeiten, Streit um den Fernsehkonsum, Zubettgeh-Zeiten), an Wochenenden und Feiertagen (Höhepunkt ist Weihnachten!), bei Familienfesten, im Zusammenhang mit Schule, zwischen Geschwistern, Streit um das Verhalten und die Heimkehrzeiten bei Jugendlichen, zwischen Eheleuten.

Verschiedene Zeiten in der Ehe, die an die Partner immer neue Anforderungen stellen, deren Bewältigung nicht selbstverständlich ist

  • Phase der stabilen Paarbildung,
  • Aus dem Paar wird eine Familie,
  • Phase der mittleren Ehejahre mit der Verantwortung für Kinder,
  • Zeit der Ablösung der Kinder,
  • Altersehe.

Probleme und Spannungsfelder, die besonders Bauernfamilien betreffen

  • Entwertungserleben, Bitterkeit, Existenzangst, Hoffnungslosigkeit, Versagens- und Schuldgefühle im Zusammenhang mit der Krise in der Landwirtschaft;
  • Überarbeitungssyndrom bei Bauersfrauen;
  • Konflikte aus dem Zusammenleben und –arbeiten zwischen Jung und Alt;
  • Die oft schwierige Rolle der eingeheirateten Schwiegertochter;
  • Das fehlende Gespräch zwischen den Eheleuten;
  • Vernachlässigung und frühe Überforderung der Kinder;
  • Probleme im Zusammenhang mit dem Ausscheiden aus der Landwirtschaft;
  • Überforderung durch Nebenerwerbslandwirtschaft.

Bescheidene Hinweise zum Umgang mit Spannungen

Vorbemerkung: Alle Eltern wollen gute Eltern, alle Kinder wollen gute Kinder sein. Alle Menschen wollen b e w u s s t es sich und anderen recht machen!

  • Sich selbst in seinen Bedürfnissen, in seiner Befindlichkeit spüren lernen. Alle Gefühle, Wünsche, Phantasien sind zunächst rundsätzlich berechtigt und für den einzelnen wahr . Seine Gefühle zu spüren und sie zu verstehen ist notwendig zur Erhaltung der seelischen und körperlichen Gesundheit.
  • Ernstnehmen aller Äußerungen von Kindern als Ausdruck ihres Befindens und ihrer Spannungen (kein Kind will z. B. bewusst nachts seine Eltern "terrorisieren"!).
  • Beschämung, Entwertung, Demütigung, Lächerlichmachen von anderen Menschen, kleinen und großen, sollten wir vermeiden. Demütigung vor anderen ist wie "seel. Totschlag".
  • Versuchen Sie einmal bei Konflikten, die Streitsache aus der Sicht des anderen zu sehen! (Perspektivenwechsel, Einfühlung in den anderen, Verstehen seiner Motive).
  • Trauen Sie es sich, sich selbst auch einmal in Frage zu stellen und die Schuld für einen Konflikt einmal nicht zuerst beim anderen zu suchen!
  • Wagen Sie es einmal, Ihr Verhalten oder Ihre Einstellung als erster zu ändern und erwarten Sie einmal nicht, dass sich der andere zuerst ändert.
  • Versuchen Sie einmal, "sich selbst über die Schulter zu schauen" in kritischen Situationen und halten Sie nochmals inne, bevor Sie "im  Affekt" handeln. Durch "schnelle Worte" oder Handlungen (z. B. Schläge) wird in Beziehungen oft viel zerstört. Nicht alles ist wieder gut zu machen!
  • Die Beziehungen in Familien und außerhalb bestehen u. a. aus einem Geben und Nehmen.

Niemand kann nur unendlich geben und nur da sein für andere und niemand kann andere über längere Zeit nur für seine Bedürfnisse in Anspruch nehmen ohne Gegenleistung. Überprüfen Sie einmal in Ihren Beziehungen den Stand der Verdienst- und Schuldkonten!

  • Suchen Sie sich selbst Freiräume für Ihre Entspannung und Erholung! Setzen Sie diese Freiräume durch und sichern Sie diese auch langfristig! (z.B. Mittagsschläfchen!)
  • Suchen Sie zusammen mit Ihren Angehörigen festgelegte Zeiträume für freie, offene Gespräche ohne Vorschriften "am runden Tisch", wo alles angesprochen werden kann, was irgendeinen aus der Familie beschäftigt.

Alle haben dabei gleiches Rederecht. Keine Aussage wird von den anderen bewertet. Alle anderen Störquellen in dieser Zeit ausschließen wie Fernseher, Getränke u. a. Keine "Diskussion", kein Streitgespräch, sondern Zuhören! Mindestens alle zwei Wochen eine feste Stunde, nicht erst, "wenn´s brennt"!

Zum Schluss: Bertolt Brecht hat einmal gesagt: "Es ist bereits ein großer Fortschritt, zur Befreiung, wenn einer sein Leid nicht mehr stumm erträgt, sondern laut klagt." Dieser Überzeugung bin ich auch.

Fritz Kroder, Bamberg, Landwirtschaftliche Familienberatung