Regeln für Sprecher und Zuhörer

Gesprächskultur entwickeln, Konflikte austragen

Entnommen aus dem Trainingsprogramm des EPL (Ein partnerschaftliches Lernprogram; Ein Angebot der Erwachsenenbildung, der katholischen und evangelischen Kirchen in Bayern)

Offen und konstruktiv miteinander zu reden und Konflikte auszutragen haben wir in unseren Elternhäusern oft viel zu wenig gelernt. So müssen wir es neu miteinander einüben und unseren Kindern weitergeben.Viele Probleme in der Beziehung haben ihren Ursprung in der Kommunikation. Wer lernt uns, wie Mann und Frau mit einander spricht? Hier nur einige Regeln die hilfreich sind, wenn wir mit einander Reden.

Wenn Du redest, versuche folgende Punkte zu beachten.

Ich-Gebrauch: Jeder Partner soll von seinen eigenen Gedanken und Gefühlen sprechen. Kennzeichen dafür ist der Ich-Gebrauch. Alle Aussagen werden dadurch persönlicher. Äußerungen, die nur auf den anderen gerichtet sind (Du-Sätze), sind meist Vorwürfe oder Anklagen, die als Auslöser für Gegenangriffe oder Rechtfertigungen wirken.

Konkrete Situation ansprechen: Jeder Partner soll konkrete Situationen oder Anlässe ansprechen, so dass Verallgemeinerungen (immer, nie) vermieden werden. Verallgemeinerungen rufen meist sofortigen Widerspruch hervor und lenken vom eigentlichen Inhalt – der konkreten Situation – völlig ab. Durch die Einhaltung dieser Regel werden die Aussagen für den Zuhörer anschaulicher.

Konkretes Verhalten ansprechen: Jeder Partner, jede Partnerin soll von konkretem Verhalten in bestimmten Situationen sprechen, so dass vermieden wird, dem anderen negative Eigenschaften zuzuschreiben. Die Unterstellung negativer Eigenschaften ruft ebenfalls Widerspruch hervor. Kennzeichen solcher Äußerungen sind z. b. "typisch", "unfähig", "langweilig", "nie aktiv". Wer konkretes Verhalten benennt, erreicht eine bessere Nachvollziehbarkeit seiner Aussagen, nicht nur für den Partner, die Patnerin, sondern auch für sich selbst.

Beim Thema bleiben: Jeder Partner soll vom Hier und Jetzt sprechen, da bei Rückgriffen auf die Vergangenheit das Gespräch Gefahr läuft, völlig vom eigentlichen Thema abzuweichen.

Sich öffnen: Jeder ode Jede soll sich öffnen und beschreiben, was in ihm vorgeht. Anklagen und Vorwürfe lassen sich vermeiden, wenn jeder seine Gefühle und Bedürfnisse direkt äußert. Dann kann auch ein weiterer häufiger Fehler, "das negative Gedankenlesen", vermieden werden. Hierunter versteht man Äußerungen, die die Reaktionen des Partners vorwegnehmen.

Z. B.: "Auf andere Art kann man ja nicht mit Dir reden" oder "Ich würde was unternehmen, aber Du machst ja doch nicht mit". Der Sprecher sichert sich damit schon im voraus gegen eine mögliche Reaktion ab.

Wenn Du zuhörst, versuche folgende Regeln einzuhalten.

Aufnehmendes Zuhören: Der/Die PartnerIn soll dem Sprecher nonverbal (nicht-sprachlich) deutlich zeigen, dass er ihm oder ihr zuhört und Interesse an seinen Äußerungen hat. Dies kann z. B. durch unterstützende Gesten wie Nicken oder kurze Einwürfe wie "hm", "aha" geschehen. Wichtig ist neben dem Blickkontakt auch eine dem/der PartnerIn zugewandte Körperhaltung. Ermutigungen, doch weiterzusprechen (z. B.: "Ich würde gern mehr darüber hören") verstärken den/die PartnerIn für sein Erzählen.

Zusammenfassen: Der/Die PartnerIn soll die wesentlichen Äußerungen des Sprechers oder der Sprecherin möglichst in eigenen Worten rückmelden, um deutlich zu machen, dass er ihn oder sie verstanden hat. Fällt es schwer, die Äußerungen in eigene Worte zu kleiden, sollte man auch vor wörtlichen Wiederholungen nicht zurückschrecken.

Offene Fragen: Wenn der Partner oder die Partnerin im Verlauf der Unterhaltung den Eindruck hat, dass der/ die SprecherIn die eigenen Gefühle und Wünsche nur indirekt äußert, und er nicht ganz sicher ist, was der Sprecher empfindet, soll er gezielt danach fragen. Hier ist zu beachten, dass keine Urteile und keine vorschnellen Interpretationen vorgenommen werden, z. B.: "Hast Du dich unsicher gefühlt?" und nicht: "Das liegt an Deiner Unsicherheit!"

Im ersten Fall kann der/die SprecherIn zustimmen oder ablehnen, also richtig stellen, im zweiten Fall muss er sich verteidigen.

Lob für das Gesprächsverhalten: Der/Die PartnerIn soll den Sprecher für offene und verständliche Äußerungen verstärken (loben), damit dieser sich ermutigt fühlt, z. B.: "Das freut mich sehr, dass Du mir das so klar und offen gesagt hast."

Rückmeldung ausgelöster Gefühle: Es gibt Situationen, in denen es dem Zuhörer nicht möglich sein wird, mit Verständnis auf den/ die  SprecherIn zu reagieren, etwa weil dessen Äußerungen ihn sehr aufgebracht haben. In einem solchen Fall sollten indirekte Aussagen vermieden werden, z. B.: "Aber das stimmt doch gar nicht!" Stattdessen meldet der/die ZuhörerIn besser seine eigenen Gefühle direkt zurück,, z. B.: "Ich bin völlig verblüfft, dass Du das so siehst." Genauso wichtig ist es, auch aufkommende positive Gefühle rückzumelden, ,z. B.: "Mich freut es, dass Du das mit mir gemeinsam machen willst."

Diese Kommunikationsregeln wurden speziell für Paare entworfen. In Untersuchungen haben sich bei Einhalten der Regeln eine größere Beziehungszufriedenheit ergeben.

Es ist nur der erste Schritt, wenn nur ein Partner von dem Kommunikationstraining weiß oder es anwendet, beide Partner sollten das Kommunikationstraining mitmachen und dann diese Kommunikationsregeln einüben. Das reine Lesen der Regeln reicht meist noch nicht, um sie zu begreifen oder anwenden zu können. Um die Regeln zu verinnerlichen gibt es Seminare, welche zum Beispiel die evangelischen und katholischen Kirchen anbieten.

Sehen Sie dazu: www.epl-kek.de