Die Höfeidee- emotionale Bindung

Alles dreht sich um den Hof, Mittelpunkt des Lebens, über alles hinweg, als höchster Wert, als höchstes Gut, der um jeden Preis weiter gehen muss. Kein Samstag und Sonntag, kein Urlaub, zu wenig Beziehungen für die Familie, eigene Lebenspläne zerbrechen wegen dem Hof. Oft kann man schon von einer modernen Besessenheit sprechen, wie diese Höfeidee die Menschen bewusst oder unbewusst prägt und leitet. In Besitz genommen zu sein von einer Idee, von einem Gedanken, von einem Glauben, der Hof ist das Wichtigste.

Wie leiden Bauern darunter, wenn der Sohn den Hof nicht übernimmt, da sie doch ihr ganzes Leben, ihre Energie und ihre Arbeitskraft eingesetzt haben, damit der Hof gut dasteht und weitergeht. Und dann die Krankheit, kein Hofnachfolger, eine Überschuldung des Hofes. Eine Welt bricht zusammen. Ohnmacht, tiefer Schmerz, ein Gefühl, alles war umsonst, in meinem Leben.

Wie viele Hofnachfolger lassen keine Veränderung auf dem Betrieb zu, weil diese Höfeidee so stark in ihnen steckt, selbst wenn die Eltern schon lange verstorben sind. Sie hören die Worte der Eltern in sich immer wieder: "Wir haben uns unser ganzes Leben geplagt, wegen euch. Du bist ein Lump, wenn du den Hof oder die Felder verkaufst"

Das sitzt tief im Unterbewusstsein. Dieses Schuldgefühl verhindert eine Veränderung auf dem Hof bzw. verhindert den Verkauf von Land zur Schuldentilgung. Aber auch junge Bauern und Bäuerinnen leiden unter dieser Bürde, wenn sie schon als Kind zum Hoferben bestimmt wurden und ihnen diese Höfeidee immer wieder eingeimpft wurde. Wie kann ich mich befreien, ja gar nicht es erst zu einer solchen Besessenheit kommen lassen?

Der Mensch, mein Leben muss im absoluten Mittelpunkt meines Wirkens und Handelns stehen. Alle anderen Besitztümer dürfen keinen wesendlichen Stellenwert darüber einnehmen. 

Fritz Kroder, Bamberg, Landwirtschaftlicher Familienberater