Fehler bei einer Hofübergabe

Schwierige Rahmenbedingungen schaffen in vielen landwirtschaftlichen Familien wachsende Schuldenprobleme. Die Klärung bis zur endgültigen Übernahme/Übergabe des Betriebes fordert alle Beteiligten heraus - oft auch lange Zeit vor oder nach einer Hofübergabe. Die Lösung für vorhandene Schulden steht meist in Konkurrenz zu verschiedenen Anliegen in der Familie

Unterschiedliche Interessen innerhalb der Familie

Oft sind sich die Beteiligten nicht klar darüber, dass unterschiedliche Interessen innerhalb der Familie bestehen:

  • Wohnrecht der Altenteiler mit Einkommen und Versorgung nach der Betriebsübergabe
  • Vereinbarung zu der betrieblich notwendigen Mitarbeit der Altenteiler
  • Abfindung bzw. Pflichtteilsverzicht der weichenden Erben
  • Absprachen zwischen Übergebenden und Übernehmenden (einschließlich dem einheiratenden Partner des Übernehmers) zur Gestaltung der Wohnsituation
  • Absicherung der Übergeber und der weichenden Erben bezüglich Veräußerungen nach der Übergabe
  • Absicherung der Übernehmer bezüglich notwendiger Substanzverkäufe zur erfolgreichen Entwicklung des Betriebes

Individuelle und dann auch noch für alle passende Antworten zu finden, ist in dieser Situation nicht leicht. Welche Fehler dabei gemacht werden und was dagegen getan werden kann.

Häufige Fehler bei Schuldenproblemen

  • Bedürfnisse, Ängste oder Unsicherheiten einzelner Beteiligten werden in der Familie übergangen
  • aus Angst vor (stärkeren) Konflikten oder aus Resignation verstummt das gemeinsame Gespräch
  • der Austausch über Erfahrungen früherer Generationen beim Umgang mit bestimmten Problemen findet zu wenig statt
  • über die schlechte Situation wird nicht gesprochen, weil Änderungen zusätzliche Unsicherheiten auslösen;
  • Überlegungen nach beruflichen Alternativen des/der HofnachfolgersIn weichen dem Gefühl der Verpflichtung gegenüber den Eltern
  • die weichenden Erben verschweigen ihr Unbehagen und stellen aus Unkenntnis falsche Erwartungen bei der Erbabfindung
  • das Gespräch bleibt bei Schuldzuweisungen hängen
  • oft wird der/die eingeheiratete Partner/in von den Übergebern zum "Sündenbock" gemacht, weil er/sie die Sprachlosigkeit durchbricht
  • fehlende Einsicht, dass die weitere Existenz nur durch Entschuldung bzw. Substanzverkäufe gesichert werden kann
  • die Übernehmer haben oft nicht die Kraft, klare und ausreichende Übergabebedingungen einzufordern
  • ungeklärte steuer-, vermögens- bzw. erbrechtliche Fragen

Aussagen nach Abschluss verschiedener Beratungen

  • "So wie wir jetzt miteinander geredet haben, haben wir noch nie miteinander verhandelt. Bisher haben die Gespräche immer im Streit geendet. Wir hätten uns schon viel früher Hilfe holen sollen."
  • "Über die Beratungsstelle habe ich erfahren, dass ich selbst als Schuldnerin Rechte habe ... Auch die Gewissheit, dass ich nicht alleine vor all diesen Problemen stehe, hat mir Mut gemacht, mein Leben zu ordnen."
  • "In der Beratung haben wir herausgefunden, welchen Weg wir gehen können ... mit dem Ergebnis, der Stress ist weg!"
  • "In den Gesprächen mit den Geschwistern konnte durch die Beratung endlich alles auf den Tisch gebracht und auch bisherige Tabuthemen angesprochen werden. Das ging deshalb, weil ein unabhängiger Berater die Gespräche so leitete, dass sich alle einbezogen fühlten und der fachliche Hintergrund da war!"
  • "Durch die Beratungsgespräche wurden wir vor Fehlinvestitionen bewahrt. Uns gefiel, dass wir uns hemmungslos aussprechen konnten."
  • "Wir haben neuen Mut bekommen, uns auf unser Schicksal einzulassen und zwar mit Rückendeckung durch die Beratung!"
  • "Wir bedauern, die Beratungsstelle nicht schon viel früher genutzt zu haben, denn uns wurde sehr geholfen!"

Josef Nassal, Meßkirch, Landwirtschaftlicher Familienberater