Die Beziehung nicht überfordern

Am Anfang einer Beziehung möchte der Mann (möchte die Frau), seiner(em) Gegenüber die negativen Seiten so verändern, wie es zu seinem inneren Idealbild vom Partner, von der Partnerin gehört. Dies geschieht am Anfang mit Liebesgestik und Umschmeichelung. Stellt sich nicht der gewünschte Erfolg ein, werden schwerere Geschütze aufgefahren. Nicht selten wird dann mit Drohungen gearbeitet, damit zum gewünschten Erfolg gelangt wird. Diese beinhalten dann: "...  wenn Du nicht, dann ..."

Es hat Gründe, warum ich gerade diesen Partner (diese Partnerin) habe, mit diesen Eigenschaften und nicht einen anderen. Würde ich die mir nicht entsprechenden Seiten meines Partners verändern, wäre er und die Beziehung für mich bald faad und schal. Es würde auch die Spannung, das Knistern und den Reiz aus meiner Paarbeziehung nehmen.

Alles hat seine Licht- und Schattenseiten. Nehme ich die Schattenseiten weg, verändert sich auch die Lichtseite, gerade welche ich liebe. Wir überfordern unsere Partner, wenn wir von ihnen die Befriedigung all unserer Sehnsüchte erwarten. Jede Beziehung hat ihre Begrenztheit. Kein Partner kann unser gesamtes Bedürfnis nach Wärme, Geborgenheit und Zuwendung erfüllen.

  • Den anderen mit Gewalt verändern zu wollen ist ein aussichtsloses Vorhaben und hat meist das Gegenteil zur Folge.
  • Wir müssen lernen, den Mangel des anderen als unveränderliche Gegebenheit anzunehmen.
  • Das bedeutet auch, mit unerfüllten Hoffnungen leben zu lernen.
  • Unsere Partnerschaft braucht die Ergänzung durch ein freundschaftliches Beziehungsumfeld, in das unsere Partnerschaft eingebettet ist. Hier können wir manches finden, was in der Partnerschaft nicht möglich ist.
  • Persönliche Freundschaften pflegen.
  • Paarfreundschaften aufbauen.
  • Versöhnung mit Eltern und Geschwistern, wenn dies ansteht.

Eine Bäuerin berichtet

"Nach tiefen Krisen und heftigen Kämpfen in der Partnerschaft bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich eine gute Ehe führe. Nicht, weil es noch die große Liebe ist, sondern weil wir einander fördern, weil einer dem anderen in seiner je eigenen Entwicklung unterstützt. Wir engen uns einander nicht ein, wir machen uns gegenseitig nicht klein, aus Angst, der andere könne zu stark werden."

Buchempfehlung: Hans Jellouschek, Die Kunst als Paar zu leben

Markus Hirt, Augsburg, Landwirtschaftliche Familienberatung