Distanz aushalten

Im Laufe der Jahre durchlaufen auch Beziehungen verschiedene Phasen. Es gibt Phasen großer Nähe und Intensität zum Beispiel in der Phase der Verliebtheit zu Beginn der Beziehung und in den ersten Ehejahren. Aber fast notwendig folgt darauf eine Phase von mehr Distanz und Eigenständigkeit, in der jeder sich selber erst auf der neuen Ebene finden muss. Oft ist das verbunden mit sozialen Außenkontakten, wie z. B. Vereinstätigkeit, Ehrenamt usw. Diese Phase der Außenbewegung läuft nicht synchron bei den Partnern ab, sondern zeitlich unterschiedlich. Wenn nun ein Partner früher die sozialen Kontakte sucht als der andere, kann das falsch verstanden werden.

Genauso wird nach einer Zeit der sozielen Außenkontakte wieder eine Zeit des Wunsches nach Nähe entstehen. Auch das läuft nicht synchron bei den Partner ab, und auch hier können leicht Missverständnisse auftreten, wenn der andere noch nicht soweit ist. Nach jeder Wellenbewegung von Nähe und Distanz findet sich das Paar auf eine höhere reifere Ebene wieder. Je mehr jeder sich selbst findet, umso reicher kann Nähe und Begegnung erneut erfahrbar werden.

Aufgaben in der Phase der Distanz:

  • Wir lernen Verantwortung für unsere eigenen Fehler und Schwächen zu übernehmen. Nicht an allem ist der andere Schuld!
  • Wir lassen unseren Partner als Vater- und Mutterersatz los. Es ist nicht die Aufgabe unseres Partners Elternrolle für uns zu übernehmen. Wir müssen selber lernen, für uns gut zu sorgen.
  • Wir suchen und pflegen den Kontakt mit Freunden, und finden ein Stück mehr zu unserem Mann- und Frau-Sein.
  • Versöhnung mit der eigenen Herkunftsfamilie
  • Verinerlichen, dass auch eine Distanzphase vorrüber geht
  • Sich zu beobachten, wo stehe ich, wo mein/e PartnerIn in der Beziehungswellenbewegung und nehme die unterschiedliche Geschwindigkeit wahr.
  • Deute die Unterschiedlichkeit der Standpunkte nicht als Liebesverlust.

Buchtipp: Hans Jellouschek, Die Kunst als Paar zu leben

Markus Hirt, Augsburg, Landwirtschaftliche Familienberatung